Debatte ohne Kultur – Streit ums Urheberrecht

Die Auseinandersetzung um eine Reform des Urheberrechts nimmt immer mehr an Schärfe und Lautstärke zu. Erschreckender Höhepunkt ist nun die „Anonymous“ Aktion vor wenigen Tagen, in der die Unterzeichner „Wir sind die Urheber“ persönlich beleidigt, bedrängt und diffamiert werden . Dieselben Akteure, die für ihr Verständnis von Freiheit im Netz agieren, sprechen die Freiheit der Meinung und deren Veröffentlichung den Urhebern in Abrede.

Wenn ein Streit eskaliert, blickt man manchmal zurück und fragt sich verwundert: Wie konnte das nur passieren? An einem nicht mehr näher bestimmbaren Zeitpunkt haben sich die streitenden Parteien in ihre tief ausgehobenen Schützengräben  zurückgezogen und die Suche nach einem Kompromiss aufgegeben.  Irgendwann ging es nur noch darum Recht zu behalten und danach ging es irgendwann nicht mehr um die Sache selbst, sondern nur noch darum, dem jeweils anderen Schaden zuzufügen bzw. seine Position zu schwächen.

Verfolgt man dieser Tage die Diskussion im Netz zur Zukunft des Urheberrechts, dann gewinnt man den Eindruck, dass die Diskussion diesem Punkt of no return gerade  sehr gefährlich nahe kommt. Es ist ganz egal, welche Position man in dieser Diskussion einnimmt, ob man das Urheberrecht völlig veraltet findet und es am liebsten ersatzlos streichen würde, ob man als Strafe für jede Urheberrechtsverletzung am liebsten das Internet abschalten würde, oder man irgendwo zwischen diesen Extrempositionen steht: Die derzeitige Eskalation der Debatte darf nicht einfach so hingenommen werden! Persönliche Daten von Personen öffentlich ins Netz zu stellen, weil man ihre inhaltliche Positionierung nicht teilt und man so weitere Sympathisanten abschrecken will, sich ebenfalls öffentlich zu ihrer Meinung zu bekennen, geht entschieden zu weit! Das ist keine politische Diskussion, das ist keine Debatte mehr – es ist vielmehr Ausdruck von Intoleranz und einem gestörten Verständnis von Meinungspluralität.

Den schlimmsten Schaden fügen diese paar irrlichternden Anonymousanhänger jedoch nicht den Urhebern zu  (ohne den Einzelnen entstandenen Schaden damit herunterspielen zu wollen), sondern den Befürwortern für eine substantielle Reform des Urheberrechts.

Sie stellen die Ernsthaftigkeit dieses Anliegens in Frage und bringen viele, die sich bereits lange intensiv mit möglichen Reformmodellen auseinander setzen, in Misskredit. Wir werden erleben, dass in den kommenden Wochen der Diskussion immer wieder vehemente Gegner einer Reform des Urheberrechts alle Reformwilligen mit diesen wenigen „Aktivisten“ in einen Topf werfen werden  und sie als Chaoten zu diskreditieren versuchen.

Politik darf nicht denen folgen, die am lautesten schreien oder Andersdenkende diskreditieren. Ich begrüße die Aktion der Urheber ausdrücklich, es war höchste Zeit, dass diese sich selbst und persönlich in die Debatte einbringen – viel zu lang wurde im politischen und öffentlichen Raum der Diskurs ohne sie bzw. über sie geführt.

Über sblumenthal

Norddeutsch, im richtigen Leben IT-Berater und zur Zeit Mitglied des Deutschen Bundestages. Abgeordneter für die FDP-Fraktion, zuständig für Netzpolitik und Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien und Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft.
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Eine Antwort zu Debatte ohne Kultur – Streit ums Urheberrecht

  1. Michael Habermann schreibt:

    Es war einmal….vor langer Zeit, da erfand jemand das Tonband. Du Wicht …sprachen die Könige der Musikindustrie. Doch der Wicht verkaufte seine Erfindung prächtig und die Musikindustrie sah sich am Rande des Bankrotts. So klagten sie denn jämmerlich vor Hohem Gerichte und erstritten eine Abgabe für sich, auf jeden verkauften Datenträger. So auch noch heute. Wir zahlen für jeden Datenträger, egal ob Cd/DVD, USBStick, HDD, usw. Das heisst ich zahle eine Abgabe um Musik z.b. aus dem Radio mitzuschneiden. Noch heute aber schreien diese „Urheber“ Wir gehen pleite…..Sänger verdienen gerade mal ein paar lächerliche Millionen im Jahr und Schauspieler ebenso.(Sicher nicht alle, aber zeige mir einen der am Hungertuch nagt wenn er gut in seinem Beruf ist) Es ist doch nonsens Anzunehmen das nur, weil z.b. 100.000 ein Lied runterladen, das diese Menschen, hätten sie die Möglichkeit nicht, dass Lied kaufen würden. Oder nur weil 100.000
    einen Film im Netz schauen, zu sagen, die wären alle ins Kino gegangen….Schwachsinn.
    Die Film/Musik/theaterindustrie verdient sich dumm und dämlich. Sie protzen damit auch noch z.b. auf MTV „Zuhause bei den Stars“. Darf ich Euch meine 180 Zimmer Villa zeigen. Oder J.Travolta…darf ich euch mein Flughafen zeigen. Also liebe Könige verteilt euer Geld lieber besser, so das die kleinen vllt. auch mal ein paar Euronen verdienen. Ich kann Musikvideos ganz legal mitschneiden auf jedem Musiksender. Da habe ich also sogar den Clip dazu. Lade ich aber das Lied von einer Tauschbörse mach ich mich strafbar. Ein Witz.
    Ich habe schon im Kindesalter meine Singels getauscht, genauso wie meine Comics und Bücher.
    Nichts anderes macht das Inet…..

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